Wer an Dänemark denkt, hat meist endlose Sandstrände und sanfte Dünenlandschaften vor Augen. Doch an der Nordküste der Ostseeinsel Bornholm zeigt sich die skandinavische Natur von einer völlig anderen, monumentalen Seite. Zwischen den charmanten Orten Gudhjem und Allinge ragen die Helligdomsklipperne (die Heiligtumsklippen) bis zu 22 Meter steil aus der Ostsee empor.
Diese wilden, zerklüfteten Granitklippen sind nicht nur ein Paradies für Wanderer und Fotofreunde, sondern auch ein geologisches Zeugnis von Jahrmillionen Erdgeschichte. In diesem Ratgeber erfahren Sie alles, was Sie für Ihren Besuch dieser beeindruckenden Naturkulisse wissen müssen – von den besten Wanderwegen über versteckte Höhlen bis hin zu praktischen Insider-Tipps für Ihre Urlaubsplanung.
Geologie und Geschichte: Wie entstanden die Heiligtumsklippen?
Die Helligdomsklipperne verdanken ihr markantes Aussehen einer Kombination aus tektonischer Aktivität und der unnachgiebigen Kraft der Ostsee. Der hier offen zutage tretende Gneiss und Granit ist Teil des Baltischen Schildes und mehr als eine Milliarde Jahre alt.
Während der letzten Eiszeit drückten gewaltige Gletschermassen das Land nieder. Nach dem Schmelzen des Eises hob sich die Insel Bornholm an – ein Prozess, der bis heute anhält. Die Brandung der Ostsee wusch im Laufe der Jahrtausende die weicheren Gesteinsschichten aus den Rissen des harten Granits heraus. Zurück blieben tiefe Spalten, sogenannte Gvarnar (Schluchten), und markante Klippenformationen.
Der Ursprung des Namens
Der Name „Heiligtumsklippen“ geht auf das Mittelalter zurück. Unweit der Klippen entsprang eine heilige Quelle (Helligdomskilden), deren Wasser eine heilende Wirkung nachgesagt wurde. Kranke und Pilger reisten vor allem in der Johannisnacht hierher, um Linderung zu suchen. Eine im Jahr 2024 modernisierte Infotafel nahe dem Bornholms Kunstmuseum markiert heute den historischen Ort dieser Quelle.
Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an den Klippen
Die Helligdomsklipperne erstrecken sich über mehrere hundert Meter Küstenlinie. Einige Formationen und Höhlen stechen dabei besonders hervor und sollten bei keinem Besuch fehlen:
- Den Sorte Gryde (Die schwarze Topfhöhle): Die wohl bekannteste Küstenhöhle (Ovn) der Region. Sie reicht mehr als 60 Meter tief in den Fels hinein. Besucher können die Höhle betreten – eine Taschenlampe und festes Schuhwerk sind hierfür absolut notwendig. Im hinteren Teil lebt die seltene Bornholmer Höhlenspinne (Meta menardi).
- Våde Ovn (Der nasse Ofen): Eine weitere imposante Höhle, die bei hohem Wellengang von der Ostsee geflutet wird. Sie ist am besten vom Wasser aus zu sehen.
- Helligdomsklippen & Lyseklippen: Diese markanten Felstürme bieten spektakuläre Aussichtspunkte über die raue Küstenlinie und das weite Meer bis hin zur Erbseninsel Christiansø.
Praktische Routen: So erkunden Sie die Helligdomsklipperne
Es gibt zwei primäre Wege, um die Klippenlandschaft zu erleben. Beide Perspektiven haben ihren ganz eigenen Reiz.
1. Zu Fuß über den Küstenwanderweg (Kyststien)
Der Bornholmer Küstenwanderweg führt direkt an den Klippen entlang. Eine der schönsten Teilstrecken verläuft von Gudhjem aus nach Westen.
| Parameter | Details zur Wanderung |
|---|---|
| Startpunkt | Hafen von Gudhjem oder Parkplatz am Bornholms Kunstmuseum |
| Distanz | ca. 6 Kilometer (von Gudhjem bis zu den Klippen) |
| Schwierigkeit | Mittelschwer (teilweise steile Treppen, unebene Felsen) |
| Ausrüstung | Wanderschuhe mit gutem Profil, wetterfeste Kleidung |
Sicherheitshinweis: Die hölzernen Treppen und die Granitfelsen können bei Regen extrem rutschig werden. Bleiben Sie auf den markierten Pfaden und unterschätzen Sie die Windböen an den Klippenkanten nicht.
2. Vom Wasser aus mit dem Ausflugsboot
Wer die Dimensionen der bis zu 22 Meter hohen Klippen voll erfassen möchte, sollte die Perspektive wechseln. Das historische Ausflugsboot M/S Thor verkehrt in den Sommermonaten regelmäßig zwischen dem Hafen von Gudhjem und dem Anleger direkt unterhalb der Helligdomsklipperne. Die Einfahrt in die schmalen Buchten vom Wasser aus bietet einzigartige Fotomotive.
Vor- und Nachteile eines Besuchs: Lohnt sich der Ausflug?
Vorteile
- Atemberaubende Natur: Eine der wildesten und fotogensten Landschaften in ganz Dänemark.
- Kombinationsmöglichkeiten: Direkt an den Klippen liegt das architektonisch beeindruckende Bornholms Kunstmuseum, das moderne dänische Kunst zeigt.
- Kostenloser Zugang: Das Naturgebiet ist ganzjährig frei und ohne Eintrittszugang zugänglich.
Nachteile & Barrieren
- Nicht barrierefrei: Die Abstiege zu den Höhlen und zum Bootsanleger führen über steile, schmale Treppen. Für Kinderwagen, Rollstühle oder Personen mit Gehbehinderung ist der direkte Klippenzugang ungeeignet. Die Aussichtsplattformen oben sind jedoch teilweise leichter erreichbar.
- Saisonale Überlaufung: In den dänischen und deutschen Sommerferien (Juli/August) kann es auf den schmalen Pfaden recht voll werden.
Insider-Tipps für Fotografen und Naturbegeisterte
- Die goldene Stunde nutzen: Fotografieren Sie die Klippen am frühen Morgen oder späten Nachmittag. Das tiefe Sonnenlicht betont die rötlich-grauen Nuancen des Bornholmer Granits und sorgt für plastische Schatten in den Schluchten.
- Taschenlampe nicht vergessen: Wer die Höhle Den Sorte Gryde erkunden möchte, scheitert oft an der Smartphone-Taschenlampe, die nicht weit genug leuchtet. Eine echte LED-Taschenlampe oder Stirnlampe sorgt für Sicherheit.
- Häufiger Fehler – Falsches Schuhwerk: Vermeiden Sie es, die Klippen mit Flip-Flops oder leichten Sneakern zu betreten. Der Granit ist scharfkantig und oft von feuchtem Moos oder Algen bedeckt.
Häufige Fragen zu Die Klippen von Helligdomsklipperne (Bornholm) Wilde, zerklüftete Granitklippen an der Nordküste der Insel. (FAQ)
Kosten die Helligdomsklipperne Eintritt?
Nein, der Zugang zu den Klippen, den Wanderwegen und den Höhlen ist vollkommen kostenlos und das ganze Jahr über frei zugänglich.
Wie tief ist die Höhle „Den Sorte Gryde“?
Die Höhle erstreckt sich rund 60 Meter weit in den Felsen hinein. Die ersten Meter sind noch von Tageslicht erhellt, danach wird es absolut dunkel.
Sind die Klippen für Kinder geeignet?
Für schulfähige Kinder mit Trittsicherheit ist der Besuch ein großes Abenteuer. Kleinkinder sollten aufgrund der steilen Abhänge und ungesicherten Klippenkanten permanent an der Hand gehalten oder in einer Trage transportiert werden.
Gibt es Parkplätze vor Ort?
Ja, kostenfreie Parkplätze stehen direkt am Bornholms Kunstmuseum zur Verfügung, das nur wenige Gehminuten von den Klippen entfernt liegt.
Fährt das Boot M/S Thor das ganze Jahr über?
Nein, das Boot verkehrt in der Regel nur von Mitte Mai bis September. Bei starkem Wind oder hohem Wellengang muss der Fährbetrieb aus Sicherheitsgründen eingestellt werden.
Woher haben die Heiligtumsklippen ihren Namen?
Der Name stammt von einer im Mittelalter bekannten heiligen Quelle, die oberhalb der Klippen lag und deren Wasser heilende Kräfte zugeschrieben wurden.
Darf man in den Klippen baden oder springen?
Vom Klippenspringen wird aufgrund unvorhersehbarer Unterströmungen, versteckter Felsen unter Wasser und des schroffen Wellengangs dringend abgeraten. Es gibt keine Rettungsschwimmer vor Ort.
Wie viel Zeit sollte man für den Besuch einplanen?
Wenn Sie von Gudhjem aus wandern, sollten Sie einen halben Tag (ca. 3–4 Stunden) einplanen. Für einen kurzen Stopp mit Parken am Kunstmuseum und Abstieg zu den Klippen reichen 1 bis 1,5 Stunden.
Fazit
Die Helligdomsklipperne sind das geologische Highlight Bornholms und demonstrieren eindrucksvoll, warum die Insel auch als „Felseninsel“ bekannt ist. Die Kombination aus rauer skandinavischer Natur, historischen Mythen und der Nähe zum Kunstmuseum macht den Ort zu einem Pflichttermin für jeden Bornholm-Urlauber.
Unsere Empfehlung: Verbinden Sie den Besuch mit einer Rundtour. Fahren Sie morgens mit dem Ausflugsboot M/S Thor von Gudhjem zu den Klippen, erkunden Sie die Höhle Den Sorte Gryde und wandern Sie anschließend über den Küstenpfad (Kyststien) zurück nach Gudhjem, um sich dort mit einer traditionellen Räucherherings-Spezialität („Sol over Gudhjem“) zu belohnen.



